Читаем Die Kinder der Erde полностью

Luet knuffte ihn erneut, diesmal so heftig, wie es ihr möglich war. Er jaulte auf. Sie hoffte, daß ein blauer Fleck zurückbleiben würde.

Als die Versammlung sich auflöste, sahen Schedemei und Issib sich noch die abgetasteten Bilder der Körper der Wühler und des Engels an. »Ich wollte das eigentlich vor der ganzen Gruppe zur Sprache bringen«, sagte Schedemei, »aber das Treffen ist anders verlaufen. Ich habe nicht gewußt, was Volemak vorhatte, und wichtig ist nur, daß ihr es wißt, damit ihr nach einer Erklärung suchen könnte, sobald ihr in der Schlucht der Engel seid.«

»Ich habe noch nicht eingewilligt«, sagte Issib.

Schedemei blickte ihn verdutzt an.

»Na ja, zeig’s mir trotzdem«, sagte Issib.

»Hier«, sagte sie. »Bei den Männern der Wühler. Und hier, bei unserem Engel, ebenfalls bei einem männlichen Exemplar.«

»Ich weiß nicht, was das ist, worauf du zeigst.«

»Ich auch nicht«, sagte Schedemei. »Aber es ist ein winziges Organ, vielleicht eine Drüse, ich bin mir über die Funktion keineswegs im klaren. Aber bei den Menschen ist sie nicht vorhanden, und auch bei keiner anderen Spezies, die ich untersucht habe.«

»Dann sind diese Wesen eben anders.«

»So einfach ist das nicht«, sagte Schedemei. »Biologische Mannigfaltigkeit entsteht durch Verzweigungen. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie Geschöpfe zu ähnlichen Organen kommen können. Die eine ist die, daß sie einen gemeinsamen Vorfahren haben. Die andere ist die konvergierende Entwicklung — ein ähnlicher Druck in der Umgebung veranlaßt sie, ähnliche Strategien zu entwickeln, um diesem Druck zu begegnen. Wenn sie das identische Organ nun wegen eines gemeinsamen Vorfahren haben, müßte es auch bei allen anderen Spezies auftreten, die sich zur gleichen Zeit von derselben Quelle abgespalten haben. Aber dem ist nicht so, Issib. Keine andere Spezies von Ratten oder Fledermäusen oder irgendeines Nagers oder verwandten Tieres hat an dieser Stelle oder auch nur in der Nähe irgend etwas, das diesem Gebilde auch nur entfernt ähnlich sieht. Ich spreche von unserer Gegenwart und von der Zeit vor vierzig Millionen Jahren, als die ältesten biologischen Daten des Schiffes zusammengestellt wurden. Es ist einfach nicht vorhanden.«

»Also eine konvergierende Evolution.«

»Aber von der Skelett- und Muskelstruktur einmal abgesehen, beschert einem die konvergierende Entwicklung lediglich Organe mit ähnlichen Funktionen. Es gibt keinen besonderen Grund, warum sie sich an derselben Stelle befinden sollten.«

»Es sei denn, es hat etwas mit der männlichen Reproduktion zu tun, und die Stelle unmittelbar oberhalb des Hodensacks ist die einzige, an der dieses Organ seine Funktion ausüben kann.«

»Genau. Ihr müßt da oben also nach einem Grund suchen — selbstverständlich suche ich hier unten auch danach —, warum diese beiden Spezies, und nur diese beiden, dieses Organ besitzen. Es ist doch seltsam … warum haben ausgerechnet die beiden intelligenten Spezies der Erde diese eigentümliche Ähnlichkeit?«

»Weil sie in einem Zusammenhang mit ihrer Intelligenz steht?« fragte Issib.

»So muß der erste Gedanke lauten«, sagte Schedemei. »Andererseits haben wir noch keine Gelegenheit gehabt, uns ihre Frauen anzusehen. Sie sind ebenfalls intelligent … aber wenn sie dieses Gebilde nicht aufweisen sollten …«

»Oder eins mit einer analogen Funktion …«

»Du erkennst das Geheimnis«, sagte Schedemei. »Dieses Organ kam von irgendwoher und hat irgendeine Funktion, und es existiert nur bei den beiden intelligenten Spezies, und vielleicht nur bei den männlichen Exemplaren. Wenn man bedenkt, wo es angebracht ist, hat es vielleicht wirklich etwas mit der Fortpflanzung zu tun.«

Issib grinste. »Vielleicht sind sie den Menschen ähnlicher, als wir dachten.«

Schedemei blickte finster drein. »Du willst damit sagen, daß die männliche Intelligenz vielleicht von Testosteron abhängig ist?«

»Ich hätte es unhöflicher ausgedrückt«, sagte Issib.

»Zweifellos«, sagte Schedemei, »da du ja selbst ein Mann bist. Aber wie du bereits angedeutet hast, denken die menschlichen Männer sowieso schon die halbe Zeit über mit ihrem Glied, und sie haben dieses seltsame kleine Organ nicht.«

»Es war nur ein Scherz, Schedemei, kein ernsthafter wissenschaftlicher Vorschlag.«

Schedemei lächelte schwach. »Das war mir klar, Issib. Ich habe mit einem Scherz darauf geantwortet.«

Er lachte. Es klang ein wenig gezwungen.

»Haltet nach irgendeiner Erklärung Ausschau, Issib, mehr verlange ich gar nicht. Ich werde alles in die Datenbank eingeben, was mir auffällt, damit dir die Informationen da oben über den Index zur Verfügung stehen.«

»Falls ich dort hinaufgehe«, sagte Issib.

»Wie auch immer«, sagte Schedemei.

Während Issib und Schedemei an einem der Computerterminals sprachen, winkte Chveja Luet zur Seite und wartete mit ihr, bis alle anderen die Bibliothek und das Schiff verlassen hatten.

»Warum hat Vater sich während des Treffens so kindisch benommen?« fragte Chveja. »Das war ja direkt peinlich.«

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